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RHUM-RUM untersucht einen Mantelplume von der Kruste bis zum Erdkern

Geschrieben von Karin Sigloch am . Veröffentlicht in Projekt

SWIR lightDie Vulkaninsel La Réunion ist einer der weltweit "heißesten Kandidaten" für einen Hotspot, der von einem tiefen, "klassischen" Mantelplume gespeist sein könnte. Dies ist die tiefste denkbare Form von Vulkanismus, ein Aufstrom von heißem Gestein direkt aus dem Erdkern in 2900 km Tiefe. 

RHUM-RUM (Réunion Hotspot and Upper Mantle - Réunions Unterer Mantel) ist ein deutsch-französisches seismologisches Experiment, das einen solchen klassischen ozeanischen Mantelplume – oder dessen Nichtexistenz – von der Kruste bis zum Kern seismisch nachweisen will. Die Ergebnisse werden Rückschlüsse zulassen auf die Wärme- und Materialflüsse im tiefen Erdinnern und auf die geodynamische Bedeutung der kontroversen Mantelplumes. 

La Réunion ist einer der aktivsten Vulkane der Welt, und zugleich einer der ältesten. Sein Hotspot-Track ("Brandspur") führt zu den Dekkan-Trappdecken in Indien, einer gewaltigen Flutbasaltprovinz, die große Teile von Indien kilometerdick bedeckt, und die vor 65 Mio Jahren bei der Geburt des Hotspots entstand. Der Ausstoß von ungeheuren Lava- und Gasmassen durch den jungen Réunion-Hotspot stellt eine plausible Ursache für damalige massive Klimaveränderungen und Massensterben von Arten dar, u.a. der Dinosaurier.

Wie weit dieser Hotspot in die Tiefe reicht und wie er daher funktioniert, wird nach 40 Jahren immer noch kontrovers diskutiert, genau wie für andere ozeanische Hotspots dieser Art (Island, Hawaii, Azoren, Galapagos...)

Im Sept./Okt. 2012 haben wir auf 2000 km x 2000 km Fläche um die Insel La Réunion herum 57 deutsche und französische Ozeanbodenseismometer (OBS) ausgelegt, mit Hilfe des französischen Forschungsschiffs "Marion Dufresne". Im Okt. 2013 werden wir die OBS mit der deutschen "Meteor" wieder einholen, samt den seismischen Aufzeichnungen, die sie das Jahr über gemacht haben werden.

Diese aufwendigen marinen Geräte werden ergänzt durch unsere seismischen Landstationen auf La Réunion, Mauritius, den Seychellen, Madagaskar und den Iles Eparses, sowie durch die Mitnutzung von zeitgleichen internationalen Experimenten in Madagaskar und Afrika.

So sollen unsere bildgebenden seismologischen Verfahren auch den Zusammenhang zwischen dem vulkanischen Hotspot und seinen Nachbarn in den Komoren, Kergeulen, Marion und Amsterdam erhellen, sowie seine vermutete Verankerung im afrikanischen Superplume klären helfen. Außerdem soll die lange vermutete Interaktion des Hotspots mit den nahegelegenen mittelozeanischen Rücken erstmals direkt seismisch nachgewiesen werden.

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RHUM-RUM Projektleitung

Geschrieben von Karin Sigloch am . Veröffentlicht in Partner

Der französische Projektteil wird geleitet von Guilhem Barruol, CNRS, Institut de Physique du Globe de Paris, Laboratoire GéoSciences Réunion, Université de La Réunion, Saint Denis, La Réunion, Frankreich.

Der deutsche Projektteil wird geleitet von Karin Sigloch, Department für Geo- und Umweltwissenschaften, Ludwig-Maximilians-Universität München. 

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