Artikel mit den Tags: Wissenschaft

Projektstart

Written by Guilhem Barruol, Karin Sigloch on Samstag, 15 September 2012. Posted in Cruise 2012

15. September 2012

Blick auf den Indischen Ozean von Le Port de la Réunion.

Von September bis November 2012 werden wir die meisten unserer seismischen Landstationen in La Réunion, Mauritius, Madagaskar und den Seychellen installieren. Außerdem werden auf einer vier Wochen dauernden Messfahrt mit dem Forschungsschiff "Marion Dufresne" 57 Ozeanbodenseismometer ausgelegt. Sie werden ein Jahr lang nahe und ferne Erdbeben aufzeichnen, sowie das Rauschen, das Ozeanwellen in der festen Erde verursachen. Von der "Marion Dufresne" aus werden wir regelmäßig bloggen. (Die primäre Sprache des Blogs wird Englisch sein, zu finden auf den englischen Seiten dieses Websites.)

Le Volcan

Written by Chris Scheingraber on Donnerstag, 27 September 2012. Posted in La Réunion

26. September 2012

Viele Wissenschaftler flogen ein paar Tage früher von Europa nach La Réunion, um die Chance zu nutzen und sich diese traumhafte tropische Insel anzusehen, bevor sie auf die Marion Dufresne gingen. Der Grund für den aktive Vulkanismus von La Reunion ist der Mantelplume, den unser Experiment mittels seismischer Tomographie abbilden will.

Piton de la Fournaise, der aktive Vulkan im Südosten der Insel, ist in jüngerer Vergangenheit häufig ausgebrochen, wie etwa ein Ausbruch von August 2006 bis January 2007.

Eine weiterer großer Ausbruch vergrößerte die Insel im Jahr 1986 um 25 Hektar. Die neu hinzugekommene Fläche - "Pointe de la table" genannt - liegt an der Ostküste etwa 5 km nordöstlich von Saint Philippe.

Jardin volcanique - coastal shore line close to the famous 'Pointe de la table'

Abfahrt!

Written by Maria Tsekhmistrenko on Samstag, 29 September 2012. Posted in Cruise 2012

28. September 2012

Darauf haben wir gewartet: 48 Ozeanbodenseismometer (Bild: Chris Scheingraber).

Gebanntes Warten. Die Nervosität ist allen Mitfahrern deutlich ins Gesicht geschrieben. Nach Tagen des Bangens um den Erfolg der Forschungsfahrt, breitet sich Erleichterung über das Schiff aus.

„Da sind sie, endlich...“

Die Container kommen, die Hafenarbeiter haben ihre Arbeit wieder aufgenommen, als erstes kümmern sie sich um unsere wertvolle Fracht. „Freude“ kann kaum ausdrücken, was wir empfinden, und „Erleichterung“ ist eine grobe Untertreibung.

Nach Tagen des Nichtstuns ist die aufkommende Geschäftigkeit eine willkommene Abwechslung. Die Fracht wird zügig von der Schiffscrew und einigen Wissenschaftlern aus den Containern entladen und mit dem Schiffskran auf das Helideck verfrachtet, ca. drei Stunden dauert der Vorgang, und jetzt braucht es schon einen Zyklopen, um uns daran zu hindern, den Hafen zu verlassen.

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Für 15.00 Uhr ist die Abfahrt der Marion Dufresne aus „Le Port” geplant. Während die letzten Vorbereitungen für die Abfahrt von der Crew durchgeführt werden, warten die Mitglieder des wissenschaftlichen Teams auf dem Deck auf die Abfahrt. Das Wetter ist bewölkt, es fängt auch an leicht zu nieseln, während das letzte Tau ins Wasser fällt und die Marion Dufresne sich auf große Fahrt begibt. Doch dieser Umstand stört niemanden an Bord, denn wir sind endlich unterwegs!

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Der Zwischenfall mit dem Streik kam schon einer Odyssee gleich, trotzdem steht uns noch die ganze Arbeit bevor. Dennoch hat die Zeit auf dem Schiff dazu geführt, dass sich die Wissenschaftler und die Crew besser kennen und mögen lernen. Diese wahrscheinlich einmalige Erfahrung schweißt die Leute zusammen, und ich freue mich schon auf die kommende Zusammenarbeit.

Erstes Ozeanbodenseismometer ausgelegt

Written by Chris Scheingraber, Simon Stähler on Sonntag, 30 September 2012. Posted in Cruise 2012

29. September 2012

Erstes Ozeanbodenseismometer ausgelegt (Bild: Chris Scheingraber).

Während unseres ersten vollen Tages auf See richteten wir unsere Werkstatt ein und testeten die Auslösemechaniken für die Ozeanbodenseismometer. Am späten Nachmittag haben wir das erste Gerät ins Meer gelassen.

Nachtschicht, 2:00– 4:00 morgens

Written by Heiner Igel, Maria Tsekhmistrenko on Dienstag, 02 Oktober 2012. Posted in Cruise 2012

2. Oktober 2012

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Das ist die härteste der Schichten! Du weißt nicht, sollst du vorher ins Bett gehen oder versuchen, wach zu bleiben mit Kaffee, Diskutieren, sich den Wind um die Ohren blasen lassen, oder im Schiffsbauch Badminton spielen.

Indischer Ozean, Zeit 02:15:00. Der Computerraum ist wie ausgestorben. Wir nehmen die ersten Werte der Daten, die aufgezeichnet werden. Die Schichtarbeit der Wissenschaftler ist dazu da, die wichtigsten Operationen zu überwachen: Das Scannen der Meeresbodentopographie (Bathymetrie), die magnetischen Aufzeichnungen mit einem Gerät, das an einem Kabel hinter dem Schiff hergezogen wird. Die aktuellen Werte werden alle 15 Minuten ins Logbuch eingetragen. 25 Sekunden ist unsere Bestzeit. Die restliche Zeit kann man mit Arbeiten, Lesen, Diskutieren, Gitarrenfingerübungen, oder einem Kopfstand verbringen. Die nächste Lesung kommt schnell!

Indischer Ozean Zeit 02:30:00. Wir fahren mit 15 Knoten. Der Meeresboden ist 4355 m unter uns. Zwei große Bildschirme zeigen den Meeresboden mit leuchtend bunten Farben. Die Baythmetrie ist sensationell! Die Erde feiert da unten eine Party, und ohne die aufwändigen Instrumente würde man davon nichts mitkriegen. Es wäre, als würde man nachts über die Alpen oder den Rheingraben fliegen. Unter dem Schiff sind Rücken, wo ozeanische Kruste erzeugt wird und auseinanderdriftet. Hunderte Meter hoch. Lineare Strukturen aller Größenordnungen zeigen die Folge der Dynamik des Meeresbodens, der sich mit mehreren Zentimetern pro Jahr bewegt.

In unserem täglichen Seminar um 17 Uhr lernen und diskutieren wir über die Beziehung zwischen ozeanischen Rücken und Plumes. Plumes sind (oder sind sie es nicht?) Strukturen die tief ins Erdinnere reichen, an ihrem Ort zu bleiben scheinen, während die ozeanischen Platten und die Rücken über sie hinwegziehen. Manchmal ziehen sich Plumes und Rücken an, tauschen etwas Wärme aus ... und, ja, wenn sie dann zusammen sind, geht's ab! Sie spucken Lava aus, die sich zu gewaltigen vulkanischen Plateaus entwickeln können und große Inseln bilden (z.B. die Azoren, Island, und andere). Manchmal haben die Rücken genug von den alternden Plumes, ziehen weiter, und suchen einen zweiten Frühling. Manchmal gehen sie gemeinsam in den Ruhestand.

Indischer Ozean Zeit 02:42:16. Das Telefon klingelt. Wir schrecken auf. Die Brücke ruft an. Der Assistent des Kapitäns spricht mit schnellem Französisch. "Attendez, je ne suis pas Français, lentement!" antworte ich. Er teilt uns mit, dass er in 8 Minuten das Schiff verlangsamen wird, da wir uns dem nächsten Zielpunkt nähern. Wir schreiben das ins Logbuch, und der Techniker schaltet das Sonographie System an, mit dem der Meeresboden untersucht wird. Auf einem weiteren Bildschirm sehen wir mehrere horizontale Linien, mit Zick-Zack an beiden Enden. In der Mitte sieht es aus wie ein Schichtkuchen, und das ist genau was wir wollen. Der Meeresboden ist topfeben. Genau richtig, um das Seismometer korrekt abzusetzen.

Jetzt kommt Leben in die Bude! Die Chefwissenschaftler und Techniker erscheinen, um das Baby sauber ins Meer zu versenken. Wenn die richtige Position erreicht ist, führt ein Kran das Ozeanbodenseismometer über das Wasser. Sehr, sehr langsam wird es abgesetzt. Höchste Konzentration. Wenn die Wellen Probleme machen, kann das OBS unsanft landen. Der Moment ist gekommen und der Haken wird gelöst. Für eine kleine Weile kann man das weiße blinkende Licht verfolgen, bis es im Abgrund verschwindet.

Es wäre so cool, man könnte seinen Weg zum Meeresboden mit einer Webcam mitverfolgen, seine Heimat für das nächste Jahr und die dort lebenden Shrimps kennen lernen. Aber das ist etwas für die nächste Generation. Wenn alles gut geht wird es in einem Jahr plötzlich von seinem Stahlrahmen befreit und driftet nach oben, voll mit spannenden Erdbebendaten eines ganzen Jahres.

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Wellen

Written by Jason Phipps Morgan, Simon Stähler on Mittwoch, 30 Oktober 2013. Posted in Cruise 2013

29. Oktober 2013

 

 

Wozu man auf dem Schiff immer Gelegenheit hat, ist den Wellen zuzusehn. Wenn man es zuhause mal schafft, im Deutschlandfunk den Seewetterbericht zu erwischen, kennt man die Skala von 0 bis 12, von ruhiger See bis zum Orkan, aber man weiß noch nicht, was das Meer daraus macht, nichts von der Dünung, dem Kräuseln, den feinen Gischtkronen, dem wild verwehtem Schaum oder den Brechern, die das ganze Schiff erbeben lassen.

Der Seewetterbericht unterscheidet zwischen der Windsee, die der Wind direkt um uns herum auslöst und der Dünung, auch Schwell genannt, den langen Wellen, die unbeeindruckt unter dem Schiff durchlaufen, es, wie der Atem der See, heben und senken, wenn man in ihre Richtung fährt oder es beängstigend rollen, falls man quer zu ihnen unterwegs ist. Wenn man annimmt, dass sie immer vom nächsten schweren Sturmgebiet her anrollen, kann man auch bei bedecktem Himmel die Himmelsrichtungen ahnen, zumal in der Nähe der stürmischen südlichen Ozeane.

Der Seewetterbericht vermeldet die Höhe der Wellen für den Tag, aber nicht ihren sich ständig wandelnden Charakter. Am Mittag ereilte uns ein kurzer, stürmischer Schauer, geschickt vom ehemaligen Tropensturm, der uns seit Tagen folgt und die Welt in graue, tiefe Wolken hüllt. Nach dem Regenguss war die See bedeckt von einem Mosaik winzigen Kräuselns und voller Schaumfetzen, die entstanden, sich langzogen und verschluckt wurden von der klaren, blauen, vielleicht zwei Meter hohen Dünung. Schnell wie ein Pferd, lief sie von achtern kommend, unter uns durch, wiegte das Schiff, und die Schaumgebilde darauf schienen fast lebendig. Ganz anders als der kalte Schwell gleicher Höhe, mit harten, weißen Gischtkappen, den wir eine halbe Stunde vor dem Schauer durchpflügt hatten.

 

Leg 2

Written by Alice Gabriel, Karin Sigloch on Mittwoch, 20 November 2013. Posted in Cruise 2013

12. November 2013, Karin Sigloch / Alice Gabriel

 

Reise- und Stationskarte. Der regenbogenfarbige Hintergrund zeigt Struktur und Tiefe des Meeresbodens (in Meter). Schwarze Linien kennzeichnen die Strecke des ersten Reiseabschnittsin dem 28 deutsche Ozeanbodenseismometer (rote Kreise) aufgenommen wurden. Im zweiten Abschnitt werden französische und deutsche Instrumente geborgen (blaue und rote Symbole).

Wie dem aufmerksamen Leser nicht verborgen geblieben sein wird, befinden wir uns schon mitten im zweiten Teil unserer Reise, der uns in einem großen Bogen weit südlich von La Reunion führt.

Während eines zwei-tägigen Zwischenstopps in Le Port de La Réunion sind 9 neue Wissenschaftler, auch die französische OBS Mannschaft, an Bord gekommen während 11 Wissenschaftler des 1. Teils "ausgeschifft" haben. Im zweiten Leg nehmen wir abwechselnd französische und deutsche Ozeanbodenseismometer auf. Unsere 6000 km lange Reiseroute (rote Linie auf obiger Karte) folgt in weiten Teilen zwei großen mittelozeanischen Rücken, deren riesige unterseeischen Gebirgsketten als geringe Meerestiefen in gelblich orangen Farben auf der Karte erscheinen. Den südlichsten Punkt der Reise (Station RR36) haben wir in den letzten Tagen passiert, und folgen nun der Spreizungszone des Südwestindischen Rücken, um später entlang des Zentralindischen Rücken zu fahren.

Wir werden dabei, wie auch im ersten Abschnitt, den Meeresboden kartieren, und außerdem in einem späteren Teil der Reise 2 MERMAIDS, Prototypen in mehrerer hundert Meter Tiefe schwebender Seismometer der Universität Nizza sind, aussetzen.

 Blick zurück nach La Réunion, wenige Stunden nach Abreise. Die Insel, mit ihren 3000 m hohen Vulkanen fungiert anscheinend als Wolkenfänger, während die heiße tropische Sonne über dem Indischen Ozean, und uns, brennt.

 

 

Alle Seismometer sind zurück!

Written by Karin Sigloch on Samstag, 30 November 2013.

29. November 2013

Heute Nachmittag bei strahlender Sonne, 200 km südöstlich von Mauritius, zogen wir Ozeanbodenseismometer RR56 aus dem Meer – nun ist auch das letzte OBS zurück. Sein Aufstieg wurde vielleicht von einem Wal begleitet, jedenfalls tauchte das große Tier gleich nach der OBS-Bergung unmittelbar neben dem Schiff auf. Es tauchte zweimal unter dem Rumpf hin und her (an Deck gefolgt von einer Herde aufgeregter Wissenschaftler) und verschwand dann im Blauen. Vielleicht ein Abschiedsgruß von Neptun, der unserem Experiment wohlgesonnen war.

 57 Seismometer ausgelegt, 57 wieder zurück ein Jahr später – große Erleichterung bei den Technikern und Wissenschaftlern. Die Bedingungen im Salzwasser sind schwierig, und die Technik hat leider auch Schwächen, so dass Verluste nicht unerwartet gekommen wären. Bei einem derartigen Experiment braucht man auf jeden Fall Glück, aber wenn 100% der Geräte zurückkehren, dann weiß man auch, dass man etwas richtig gemacht hat. Vielen Dank an unsere extrem professionellen OBS-Teams: Erik, Edith, Maria, Kasra und Juan für die deutschen Geräte, und Romuald und Xuan für die französischen OBS!

 

RHUM-RUM 2013 in 4' video

Written by Guilhem Barruol on Samstag, 04 Januar 2014. Posted in Cruise 2013

THE RHUM-RUM OBS RECOVERY IN 4 MINUTES ON YOUTUBE

 

GoPro video summarizing in 4 minutes the RHUM-RUM 2013 experiment!

GoPro Hero 3 : Ocean bottom seismometers RHUM-RUM     

Kindly prepared par Emile Barruol