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Bereit zum Aufbruch

Written by Chris Scheingraber, Maria Tsekhmistrenko on Montag, 24 September 2012. Posted in Cruise 2012

22. September 2012

Auf der Suche nach unseren Containern.

Die wissenschaftlichen Gruppen sind wohlbehaltend auf La Réunion angekommen. Leider wird unsere Abfahrt von einem unvorhersehbaren Streik des von uns beauftragten Verladeunternehmens überschattet. Da es uns ohne die Hilfe der Hafenarbeiter nicht möglich ist, unsere Ausrüstung auf das Schiff zu verladen, bleibt die Marion Dufresne vorerst mitsamt der Besatzung im Hafen von Le Port de la Réunion. Wir hoffen auf ein schnelles Ende des Streiks und ein baldiges Aufbrechen gen Norden.

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30 Wissenschaftler im Goldenen Käfig

Written by Heiner Igel on Montag, 24 September 2012. Posted in Cruise 2012

24. September 2012

Blogger im goldenen Käfig.

Hier sind wir nun, bereit uns der hohen See zu stellen und ein paar Dutzend Seismometer in die Tiefen des Indischen Ozeans zu versenken... aber... die Hafenarbeiter haben entschieden (das erste Mal seit vielen Jahren) zu streiken, just am Tag, an dem wir mit dem Laden beginnen wollten. Und der Streik scheint weiterzugehen. Kein Ende in Sicht.
Ja. Wir haben "unsere" Container irgendwo im Hafen gefunden aber leider – trotz steigender Nutzung des Fitnessraums (zwei Räder, Rudermaschine, Laufmaschine, Gewichte) – fühlen wir uns nicht in der Lage, sie ohne maschinelle Hilfe bis an unser Schiff zu tragen.
Tag 4 auf dem Schiff. Ohne wirkliche Aufgabe. Nur Warten. Einige sitzen auf den zwei Stühlen auf dem Deck vor dem Arbeitsraum der Wissenschaftler mit Blick auf die leicht ansteigenden Hänge der Vulkaninsel La Réunion und warten auf den nächsten Ausbruch (Jason). Man könnte ihn hier aus komfortabler Entfernung beobachten. Andere verbringen die Zeit mit Jogging an der schönen Hafenpromenade (nachdem man die 2 km bis zum Hafentor überwunden hat), kehren zurück mit Ideen für einen neuen seismologischen Rocksong (Jean-Paul). Erstaunlich, was so eine plötzliche, unerwartete Verfügbarkeit von Zeit mit einem anstellt! Wunderbar! Aufregend!
Was uns davon abhält, einfach über Bord zu springen sind die Mahlzeiten. 12:15 und 19:15. Vier Gänge. Vorspeise, Hauptgericht, Käse, Dessert. Exzellente französische Küche (noch ein Grund für die steigende Nutzung des Fitnessraums). Danach folgt Kaffee und Diskussionen über Wissenschaft, die Welt, unsere Situation, die Region. Was für eine Gelegenheit hier mit Kollegen von La Réunion, Rodrigues, Mauritius, Madagaskar zu arbeiten und mehr über diese entlegenen Inseln zu erfahren!
Diese Situation ist gefährlich! 30 Wissenschaftler mit viel Zeit, gutem Essen, kein Internetzugang? Ich glaube da sind ein paar explosive neue Ideen zu erwarten!

Freiheit für die Marion Dufresne!

Written by Karin Sigloch on Freitag, 28 September 2012. Posted in Cruise 2012

27. September 2012

Politisch aktiv. (Photo: Kasra Hosseini)

Wir sitzen immer noch im Hafen fest, denn die Hafenarbeiter streiken weiter. Das Arrangement: wir sind inzwischen das einzige Schiff im Hafen, während die Streikenden vor dem Haupttor aufpassen, dass niemand unsere Ruhe stört.

Wissenschaftlich gab es bis dato viele Worte, wenig Taten (d.h. tägliche Seminare, abendliche Diskussionen, ansonsten Träume). Aber bei so viel politischer Aktion um uns herum mussten wir auch einsteigen. Unsere Kollegen aus La Réunion haben viele Stunden am Hafentor verbracht, um die Interessen der Hafenarbeiter zu verstehen und zu sondieren, ob für die Herausgabe unserer vier Container eine pragmatische Lösung möglich ware. Wir haben uns auch an den Präfekten der Insel gewandt, da in unserem Experiment erhebliche Steuergelder stecken, und die Ergebnisse relevant sein werden für die Gefahrenabschätzung am Vulkan.

Das Photo zeigt einen früheren Versuch aus unserer Reihe: "Freiheit für die Marion Dufresne": wir winken dem Präfekten "Guten Morgen und SOS". Wir hatten erfahren, dass sein Hubschrauber frühmorgens den bestreikten Hafen überkreisen sollte, da wollten auch wir gesehen worden, denn die direkte Kontaktaufnahme mit der Präfektur hatte sich als nicht-trivial erwiesen. Der Parkplatz vor dem Schiff schien geeignet, und jeder brachte sein eines weißes Handtuch für guten Farbkontrast. Leider kam der Hubschrauber nicht.

Wir konnten dem Präfekten unser Anliegen gestern doch noch persönlich vortragen, bekamen eine hilfreiche Reaktion, und meinten unser Problem endlich gelöst – bis sich die Hoffnung am Hafentor kurze Zeit später wieder in Luft auflöste. Fünf Tage nach unserer geplanten Abfahrt kann unser Fahrtleiter von wissenschaftlicher Aktion auf dem Meeresgrund weiterhin nur träumen...

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Abfahrt!

Written by Maria Tsekhmistrenko on Samstag, 29 September 2012. Posted in Cruise 2012

28. September 2012

Darauf haben wir gewartet: 48 Ozeanbodenseismometer (Bild: Chris Scheingraber).

Gebanntes Warten. Die Nervosität ist allen Mitfahrern deutlich ins Gesicht geschrieben. Nach Tagen des Bangens um den Erfolg der Forschungsfahrt, breitet sich Erleichterung über das Schiff aus.

„Da sind sie, endlich...“

Die Container kommen, die Hafenarbeiter haben ihre Arbeit wieder aufgenommen, als erstes kümmern sie sich um unsere wertvolle Fracht. „Freude“ kann kaum ausdrücken, was wir empfinden, und „Erleichterung“ ist eine grobe Untertreibung.

Nach Tagen des Nichtstuns ist die aufkommende Geschäftigkeit eine willkommene Abwechslung. Die Fracht wird zügig von der Schiffscrew und einigen Wissenschaftlern aus den Containern entladen und mit dem Schiffskran auf das Helideck verfrachtet, ca. drei Stunden dauert der Vorgang, und jetzt braucht es schon einen Zyklopen, um uns daran zu hindern, den Hafen zu verlassen.

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Für 15.00 Uhr ist die Abfahrt der Marion Dufresne aus „Le Port” geplant. Während die letzten Vorbereitungen für die Abfahrt von der Crew durchgeführt werden, warten die Mitglieder des wissenschaftlichen Teams auf dem Deck auf die Abfahrt. Das Wetter ist bewölkt, es fängt auch an leicht zu nieseln, während das letzte Tau ins Wasser fällt und die Marion Dufresne sich auf große Fahrt begibt. Doch dieser Umstand stört niemanden an Bord, denn wir sind endlich unterwegs!

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Der Zwischenfall mit dem Streik kam schon einer Odyssee gleich, trotzdem steht uns noch die ganze Arbeit bevor. Dennoch hat die Zeit auf dem Schiff dazu geführt, dass sich die Wissenschaftler und die Crew besser kennen und mögen lernen. Diese wahrscheinlich einmalige Erfahrung schweißt die Leute zusammen, und ich freue mich schon auf die kommende Zusammenarbeit.

Im Arbeitsmodus

Written by Chris Scheingraber, Maria Tsekhmistrenko on Dienstag, 02 Oktober 2012. Posted in Cruise 2012

30. September 2012

Unser Kollege Olivier nutzt die Chance für einen schnellen Anruf mit dem Handy, während die Marion Dufresne an seiner Heimatinsel Rodrigues vorbeifährt (500 km östlich von Mauritius, 33000 Einwohner). (Photo: Karin Sigloch)

Scheinbar unendliche Weiten tiefblauen Ozeans umgeben uns, die letze Insel Rodrigues ist bereits vor Stunden an uns vorbeigezogen, das letzte Schiff heute morgen. Nach dem ersten Aussetzen eines Seismometers, und der vom IPEV organisierten kleinen Feier aus diesem Anlass, kehrt allmählich eine gewisse Routine in den Tagesablauf auf dem Schiff ein.
Ein Teil der Wissenschaftler kümmert sich um die korrekte Aufzeichnung der bathymetrischen, gravimetrischen und Magnetik-Daten, während ein kleinerer Teil sich um die Vorbereitung und das Aussetzen der OBS kümmert. Tag und Nacht herrscht eine ständige Geschäftigkeit an Bord. Die Stationen haben keinen gleichmäßigen Abstand, wenn das Schiff eine Station anfährt, muss alles bereit sein, auch wenn es mit dem Mittagessen kollidiert oder den Schönheitsschlaf um 3 Uhr morgens unterbricht. Obwohl der Schlaf zu kurz kommt und man mittlerweile nicht mehr so oft dazu kommt, sich gemütlich zusammen zu setzen, wie es während des Streiks der Fall war, sind doch alle mit der jetzigen Situation definitiv glücklicher.

Die Werkstatt: Ozeanboden-Seismometer fertig für eine Reise in die Tiefe.

Nachtschicht, 2:00– 4:00 morgens

Written by Heiner Igel, Maria Tsekhmistrenko on Dienstag, 02 Oktober 2012. Posted in Cruise 2012

2. Oktober 2012

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Das ist die härteste der Schichten! Du weißt nicht, sollst du vorher ins Bett gehen oder versuchen, wach zu bleiben mit Kaffee, Diskutieren, sich den Wind um die Ohren blasen lassen, oder im Schiffsbauch Badminton spielen.

Indischer Ozean, Zeit 02:15:00. Der Computerraum ist wie ausgestorben. Wir nehmen die ersten Werte der Daten, die aufgezeichnet werden. Die Schichtarbeit der Wissenschaftler ist dazu da, die wichtigsten Operationen zu überwachen: Das Scannen der Meeresbodentopographie (Bathymetrie), die magnetischen Aufzeichnungen mit einem Gerät, das an einem Kabel hinter dem Schiff hergezogen wird. Die aktuellen Werte werden alle 15 Minuten ins Logbuch eingetragen. 25 Sekunden ist unsere Bestzeit. Die restliche Zeit kann man mit Arbeiten, Lesen, Diskutieren, Gitarrenfingerübungen, oder einem Kopfstand verbringen. Die nächste Lesung kommt schnell!

Indischer Ozean Zeit 02:30:00. Wir fahren mit 15 Knoten. Der Meeresboden ist 4355 m unter uns. Zwei große Bildschirme zeigen den Meeresboden mit leuchtend bunten Farben. Die Baythmetrie ist sensationell! Die Erde feiert da unten eine Party, und ohne die aufwändigen Instrumente würde man davon nichts mitkriegen. Es wäre, als würde man nachts über die Alpen oder den Rheingraben fliegen. Unter dem Schiff sind Rücken, wo ozeanische Kruste erzeugt wird und auseinanderdriftet. Hunderte Meter hoch. Lineare Strukturen aller Größenordnungen zeigen die Folge der Dynamik des Meeresbodens, der sich mit mehreren Zentimetern pro Jahr bewegt.

In unserem täglichen Seminar um 17 Uhr lernen und diskutieren wir über die Beziehung zwischen ozeanischen Rücken und Plumes. Plumes sind (oder sind sie es nicht?) Strukturen die tief ins Erdinnere reichen, an ihrem Ort zu bleiben scheinen, während die ozeanischen Platten und die Rücken über sie hinwegziehen. Manchmal ziehen sich Plumes und Rücken an, tauschen etwas Wärme aus ... und, ja, wenn sie dann zusammen sind, geht's ab! Sie spucken Lava aus, die sich zu gewaltigen vulkanischen Plateaus entwickeln können und große Inseln bilden (z.B. die Azoren, Island, und andere). Manchmal haben die Rücken genug von den alternden Plumes, ziehen weiter, und suchen einen zweiten Frühling. Manchmal gehen sie gemeinsam in den Ruhestand.

Indischer Ozean Zeit 02:42:16. Das Telefon klingelt. Wir schrecken auf. Die Brücke ruft an. Der Assistent des Kapitäns spricht mit schnellem Französisch. "Attendez, je ne suis pas Français, lentement!" antworte ich. Er teilt uns mit, dass er in 8 Minuten das Schiff verlangsamen wird, da wir uns dem nächsten Zielpunkt nähern. Wir schreiben das ins Logbuch, und der Techniker schaltet das Sonographie System an, mit dem der Meeresboden untersucht wird. Auf einem weiteren Bildschirm sehen wir mehrere horizontale Linien, mit Zick-Zack an beiden Enden. In der Mitte sieht es aus wie ein Schichtkuchen, und das ist genau was wir wollen. Der Meeresboden ist topfeben. Genau richtig, um das Seismometer korrekt abzusetzen.

Jetzt kommt Leben in die Bude! Die Chefwissenschaftler und Techniker erscheinen, um das Baby sauber ins Meer zu versenken. Wenn die richtige Position erreicht ist, führt ein Kran das Ozeanbodenseismometer über das Wasser. Sehr, sehr langsam wird es abgesetzt. Höchste Konzentration. Wenn die Wellen Probleme machen, kann das OBS unsanft landen. Der Moment ist gekommen und der Haken wird gelöst. Für eine kleine Weile kann man das weiße blinkende Licht verfolgen, bis es im Abgrund verschwindet.

Es wäre so cool, man könnte seinen Weg zum Meeresboden mit einer Webcam mitverfolgen, seine Heimat für das nächste Jahr und die dort lebenden Shrimps kennen lernen. Aber das ist etwas für die nächste Generation. Wenn alles gut geht wird es in einem Jahr plötzlich von seinem Stahlrahmen befreit und driftet nach oben, voll mit spannenden Erdbebendaten eines ganzen Jahres.

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Ende von Leg 1 -- ab in den Süden

Written by Karin Sigloch on Donnerstag, 11 Oktober 2012.

8. Oktober 2012

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Die erste Hälfte unserer Fahrt endete heute. Als die Marion Dufresne sich morgens La Réunion näherte, war die Sicht auf die 3000 m hohe Vulkaninsel ausgezeichnet. Unser wissenschaftlicher Traum wäre es, bis 3000 km unterhalb der Insel mit derselben Abbildungsschärfe zu sehen. (Photo: Nicolas Villeneuve)

 

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Einfahrt in den Hafen: erleichtert sehen wir, dass sich alle Hafenmaschinen bewegen. Wir kamen einen Tag früher an, um den morgigen, erneuten Hafenstreik zu vermeiden.

 

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Abends verabschiedeten wir uns von 11 Kollegen, die von Bord gingen – sie hatten sich vor allem für die Region rund um die Maskareneninseln interessiert. Der zweite Abschnitt wird ein 7000 km lange Runde weit nach Süden sein. Dafür kamen sechs neue Kollegen an Bord, unter anderem das französische OBS-Team mit 9 weiteren Seismometern.

 

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Alles Entladen und Laden funktionierte diesmal zügig. Am späten Abend fuhren wir wieder aus, froh darüber, zurück aufs Meer zu kommen.