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Abfahrt!

Written by Maria Tsekhmistrenko on Samstag, 29 September 2012. Posted in Cruise 2012

28. September 2012

Darauf haben wir gewartet: 48 Ozeanbodenseismometer (Bild: Chris Scheingraber).

Gebanntes Warten. Die Nervosität ist allen Mitfahrern deutlich ins Gesicht geschrieben. Nach Tagen des Bangens um den Erfolg der Forschungsfahrt, breitet sich Erleichterung über das Schiff aus.

„Da sind sie, endlich...“

Die Container kommen, die Hafenarbeiter haben ihre Arbeit wieder aufgenommen, als erstes kümmern sie sich um unsere wertvolle Fracht. „Freude“ kann kaum ausdrücken, was wir empfinden, und „Erleichterung“ ist eine grobe Untertreibung.

Nach Tagen des Nichtstuns ist die aufkommende Geschäftigkeit eine willkommene Abwechslung. Die Fracht wird zügig von der Schiffscrew und einigen Wissenschaftlern aus den Containern entladen und mit dem Schiffskran auf das Helideck verfrachtet, ca. drei Stunden dauert der Vorgang, und jetzt braucht es schon einen Zyklopen, um uns daran zu hindern, den Hafen zu verlassen.

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Für 15.00 Uhr ist die Abfahrt der Marion Dufresne aus „Le Port” geplant. Während die letzten Vorbereitungen für die Abfahrt von der Crew durchgeführt werden, warten die Mitglieder des wissenschaftlichen Teams auf dem Deck auf die Abfahrt. Das Wetter ist bewölkt, es fängt auch an leicht zu nieseln, während das letzte Tau ins Wasser fällt und die Marion Dufresne sich auf große Fahrt begibt. Doch dieser Umstand stört niemanden an Bord, denn wir sind endlich unterwegs!

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Der Zwischenfall mit dem Streik kam schon einer Odyssee gleich, trotzdem steht uns noch die ganze Arbeit bevor. Dennoch hat die Zeit auf dem Schiff dazu geführt, dass sich die Wissenschaftler und die Crew besser kennen und mögen lernen. Diese wahrscheinlich einmalige Erfahrung schweißt die Leute zusammen, und ich freue mich schon auf die kommende Zusammenarbeit.

Erstes Ozeanbodenseismometer ausgelegt

Written by Chris Scheingraber, Simon Stähler on Sonntag, 30 September 2012. Posted in Cruise 2012

29. September 2012

Erstes Ozeanbodenseismometer ausgelegt (Bild: Chris Scheingraber).

Während unseres ersten vollen Tages auf See richteten wir unsere Werkstatt ein und testeten die Auslösemechaniken für die Ozeanbodenseismometer. Am späten Nachmittag haben wir das erste Gerät ins Meer gelassen.

Im Arbeitsmodus

Written by Chris Scheingraber, Maria Tsekhmistrenko on Dienstag, 02 Oktober 2012. Posted in Cruise 2012

30. September 2012

Unser Kollege Olivier nutzt die Chance für einen schnellen Anruf mit dem Handy, während die Marion Dufresne an seiner Heimatinsel Rodrigues vorbeifährt (500 km östlich von Mauritius, 33000 Einwohner). (Photo: Karin Sigloch)

Scheinbar unendliche Weiten tiefblauen Ozeans umgeben uns, die letze Insel Rodrigues ist bereits vor Stunden an uns vorbeigezogen, das letzte Schiff heute morgen. Nach dem ersten Aussetzen eines Seismometers, und der vom IPEV organisierten kleinen Feier aus diesem Anlass, kehrt allmählich eine gewisse Routine in den Tagesablauf auf dem Schiff ein.
Ein Teil der Wissenschaftler kümmert sich um die korrekte Aufzeichnung der bathymetrischen, gravimetrischen und Magnetik-Daten, während ein kleinerer Teil sich um die Vorbereitung und das Aussetzen der OBS kümmert. Tag und Nacht herrscht eine ständige Geschäftigkeit an Bord. Die Stationen haben keinen gleichmäßigen Abstand, wenn das Schiff eine Station anfährt, muss alles bereit sein, auch wenn es mit dem Mittagessen kollidiert oder den Schönheitsschlaf um 3 Uhr morgens unterbricht. Obwohl der Schlaf zu kurz kommt und man mittlerweile nicht mehr so oft dazu kommt, sich gemütlich zusammen zu setzen, wie es während des Streiks der Fall war, sind doch alle mit der jetzigen Situation definitiv glücklicher.

Die Werkstatt: Ozeanboden-Seismometer fertig für eine Reise in die Tiefe.

Nachtschicht, 2:00– 4:00 morgens

Written by Heiner Igel, Maria Tsekhmistrenko on Dienstag, 02 Oktober 2012. Posted in Cruise 2012

2. Oktober 2012

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Das ist die härteste der Schichten! Du weißt nicht, sollst du vorher ins Bett gehen oder versuchen, wach zu bleiben mit Kaffee, Diskutieren, sich den Wind um die Ohren blasen lassen, oder im Schiffsbauch Badminton spielen.

Indischer Ozean, Zeit 02:15:00. Der Computerraum ist wie ausgestorben. Wir nehmen die ersten Werte der Daten, die aufgezeichnet werden. Die Schichtarbeit der Wissenschaftler ist dazu da, die wichtigsten Operationen zu überwachen: Das Scannen der Meeresbodentopographie (Bathymetrie), die magnetischen Aufzeichnungen mit einem Gerät, das an einem Kabel hinter dem Schiff hergezogen wird. Die aktuellen Werte werden alle 15 Minuten ins Logbuch eingetragen. 25 Sekunden ist unsere Bestzeit. Die restliche Zeit kann man mit Arbeiten, Lesen, Diskutieren, Gitarrenfingerübungen, oder einem Kopfstand verbringen. Die nächste Lesung kommt schnell!

Indischer Ozean Zeit 02:30:00. Wir fahren mit 15 Knoten. Der Meeresboden ist 4355 m unter uns. Zwei große Bildschirme zeigen den Meeresboden mit leuchtend bunten Farben. Die Baythmetrie ist sensationell! Die Erde feiert da unten eine Party, und ohne die aufwändigen Instrumente würde man davon nichts mitkriegen. Es wäre, als würde man nachts über die Alpen oder den Rheingraben fliegen. Unter dem Schiff sind Rücken, wo ozeanische Kruste erzeugt wird und auseinanderdriftet. Hunderte Meter hoch. Lineare Strukturen aller Größenordnungen zeigen die Folge der Dynamik des Meeresbodens, der sich mit mehreren Zentimetern pro Jahr bewegt.

In unserem täglichen Seminar um 17 Uhr lernen und diskutieren wir über die Beziehung zwischen ozeanischen Rücken und Plumes. Plumes sind (oder sind sie es nicht?) Strukturen die tief ins Erdinnere reichen, an ihrem Ort zu bleiben scheinen, während die ozeanischen Platten und die Rücken über sie hinwegziehen. Manchmal ziehen sich Plumes und Rücken an, tauschen etwas Wärme aus ... und, ja, wenn sie dann zusammen sind, geht's ab! Sie spucken Lava aus, die sich zu gewaltigen vulkanischen Plateaus entwickeln können und große Inseln bilden (z.B. die Azoren, Island, und andere). Manchmal haben die Rücken genug von den alternden Plumes, ziehen weiter, und suchen einen zweiten Frühling. Manchmal gehen sie gemeinsam in den Ruhestand.

Indischer Ozean Zeit 02:42:16. Das Telefon klingelt. Wir schrecken auf. Die Brücke ruft an. Der Assistent des Kapitäns spricht mit schnellem Französisch. "Attendez, je ne suis pas Français, lentement!" antworte ich. Er teilt uns mit, dass er in 8 Minuten das Schiff verlangsamen wird, da wir uns dem nächsten Zielpunkt nähern. Wir schreiben das ins Logbuch, und der Techniker schaltet das Sonographie System an, mit dem der Meeresboden untersucht wird. Auf einem weiteren Bildschirm sehen wir mehrere horizontale Linien, mit Zick-Zack an beiden Enden. In der Mitte sieht es aus wie ein Schichtkuchen, und das ist genau was wir wollen. Der Meeresboden ist topfeben. Genau richtig, um das Seismometer korrekt abzusetzen.

Jetzt kommt Leben in die Bude! Die Chefwissenschaftler und Techniker erscheinen, um das Baby sauber ins Meer zu versenken. Wenn die richtige Position erreicht ist, führt ein Kran das Ozeanbodenseismometer über das Wasser. Sehr, sehr langsam wird es abgesetzt. Höchste Konzentration. Wenn die Wellen Probleme machen, kann das OBS unsanft landen. Der Moment ist gekommen und der Haken wird gelöst. Für eine kleine Weile kann man das weiße blinkende Licht verfolgen, bis es im Abgrund verschwindet.

Es wäre so cool, man könnte seinen Weg zum Meeresboden mit einer Webcam mitverfolgen, seine Heimat für das nächste Jahr und die dort lebenden Shrimps kennen lernen. Aber das ist etwas für die nächste Generation. Wenn alles gut geht wird es in einem Jahr plötzlich von seinem Stahlrahmen befreit und driftet nach oben, voll mit spannenden Erdbebendaten eines ganzen Jahres.

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„It’s déjà vu all over again”

Written by Karin Sigloch on Samstag, 06 Oktober 2012. Posted in Cruise 2012

6. Oktober 2012

“It’s KUMing home” – Hatten sie etwa den Dockern die Rückkehr der Marion Dufresne verraten?

"It's KUMing home" -- Haben sie etwa die Rückkehr der Marion Dufresne verraten?


Zur Halbzeit unserer Messfahrt war für den 9. Oktober ein kurzer Zwischenstopp im Hafen von La Réunion geplant, um weitere Kollegen und Instrumente aufzunehmen. Und siehe da, just für den 9. Oktober wurde gestern ein Hafenstreik angekündigt. Wirklich. Diesmal ein landesweiter Streik von Hafen- und anderen Arbeitern.

Der Mensch versucht, sich die Welt zu erklären. Die ersten Hafenstreiks seit zehn Jahren, und gerade nur an den beiden Tagen, wo wir die Dienste der Hafenarbeiter brauchen? Ach was, sie müssen uns vermisst haben, unsere Freunde vom Dock. Haben sie wohl niemand zum Reden gehabt, seit wir weggefahren sind. Aber wer hat ihnen verraten, wann wir wiederkommen wollten? Und vor allem, wie stopfen wir dieses Informationsleck, da wir ja noch ein drittes Mal in den Hafen kommen müssen, am Ende der Fahrt?

Aber diesmal haben sie einen Fehler gemacht, sie haben Ihre Pläne mehr als 24 Stunden im Voraus verraten. Der gestrige Tag war eine wilde Telefoniererei, Beratungen, dann Aktion, um unseren Stopp im Hafen um einen Tag vorzuverlegen. Für die aus Europa Ankommenden wurden Flugtickets umgebucht, für die Abreisenden Hotelzimmer, und vor allem haben wir die Fahrtroute (wieder) umdesignt, um nicht mehr Zeit und Strecke als nötig zu verlieren. Dieser taktische Gegenschlag ist voll eingeleitet: Rendezvous am 8. Oktober in Le Port – aber in voller Arbeitsmontur!

Ende der ersten Cruise – 2013 geht es wieder hinaus

Written by Karin Sigloch on Sonntag, 28 Oktober 2012. Posted in Cruise 2012

26. Oktober 2012

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Die “Marion Dufresne” kehrte heute gegen 9:00 nach Le Port zurück – das Ende unserer Ausfahrt. In den letzten vier Wochen haben wir 57 Breitbandseismometer entlang unserer 15000 km langen Route ausgesetzt. Zusätzlich wurden bathymetrische, gravimetrische und magnetische Daten entlang der gesamten Route und auf ausgewählten zusätzlichen Profilen gesammelt. Im Oktober 2013 wird es wieder hinaus gehen, um die Seismometer und ihre Daten vom Meeresboden heraufzuholen, dann mit dem deutschen Forschungsschiff “Meteor”.

Unser Schiffsarzt Pierre Henry hatte glücklicherweise nicht viele Patienten. So verbrachte er viel Zeit mit Zeichnen und Malen, besonders von Szenen des Bordalltags, wie im Beispiel oben.

Wellen

Written by Jason Phipps Morgan, Simon Stähler on Mittwoch, 30 Oktober 2013. Posted in Cruise 2013

29. Oktober 2013

 

 

Wozu man auf dem Schiff immer Gelegenheit hat, ist den Wellen zuzusehn. Wenn man es zuhause mal schafft, im Deutschlandfunk den Seewetterbericht zu erwischen, kennt man die Skala von 0 bis 12, von ruhiger See bis zum Orkan, aber man weiß noch nicht, was das Meer daraus macht, nichts von der Dünung, dem Kräuseln, den feinen Gischtkronen, dem wild verwehtem Schaum oder den Brechern, die das ganze Schiff erbeben lassen.

Der Seewetterbericht unterscheidet zwischen der Windsee, die der Wind direkt um uns herum auslöst und der Dünung, auch Schwell genannt, den langen Wellen, die unbeeindruckt unter dem Schiff durchlaufen, es, wie der Atem der See, heben und senken, wenn man in ihre Richtung fährt oder es beängstigend rollen, falls man quer zu ihnen unterwegs ist. Wenn man annimmt, dass sie immer vom nächsten schweren Sturmgebiet her anrollen, kann man auch bei bedecktem Himmel die Himmelsrichtungen ahnen, zumal in der Nähe der stürmischen südlichen Ozeane.

Der Seewetterbericht vermeldet die Höhe der Wellen für den Tag, aber nicht ihren sich ständig wandelnden Charakter. Am Mittag ereilte uns ein kurzer, stürmischer Schauer, geschickt vom ehemaligen Tropensturm, der uns seit Tagen folgt und die Welt in graue, tiefe Wolken hüllt. Nach dem Regenguss war die See bedeckt von einem Mosaik winzigen Kräuselns und voller Schaumfetzen, die entstanden, sich langzogen und verschluckt wurden von der klaren, blauen, vielleicht zwei Meter hohen Dünung. Schnell wie ein Pferd, lief sie von achtern kommend, unter uns durch, wiegte das Schiff, und die Schaumgebilde darauf schienen fast lebendig. Ganz anders als der kalte Schwell gleicher Höhe, mit harten, weißen Gischtkappen, den wir eine halbe Stunde vor dem Schauer durchpflügt hatten.

 

Neues Tauchparadies entdeckt!

Written by Heiner Igel on Mittwoch, 30 Oktober 2013. Posted in Cruise 2013

30. Oktober 2013

Sind Sie auf der Suche nach einem interessanten Ort für Tiefseetauchen?

Wir hätten da was für Sie! Letzte Nacht um etwas 2 Uhr (ich gebe zu, ich hatte keinen Schichtdienst und schlief) sind wir über eine faszinierende Stelle im Indischen Ozean gefahren: ein „Seamount“. Die durchschnittliche Wassertiefe hier ist etwa 5000m. Innerhalb weniger Meilen steigt der Meeresboden hier an bis zu einer Tiefe von nur 50m! 
 
Stellen Sie sich Mt Blanc unter Wasser vor. So ähnlich sind die Dimensionen.Seamounts sind ein faszinierendes Phänomen auf unserem Planeten. Sie meistens bestehen aus erloschenen Vulkanen, die vom Meer abgetragen sind und nicht mehr als Inseln in Erscheinung treten. Man schätzt, dass es etwa  100000 (!) Seamounts unter den Ozeanen gibt, die darauf warten erforscht zu werden. Der von uns überfahrene Seamount ist aus  Satellitendaten bekannt (also, ok, wir haben ihn nicht wirklich entdeckt) aber es ist das erste Mal, dass seine Oberfläche mitSonarsignalen genau untersucht wird.
 
Dieses Verfahren schickt akustische Signale ins Wasser und die Reflektionen ergeben ein Bild des Meeresbodens ähnlich derer bei medizinischen Anwendungen. Und natürlich gibt es immer wieder jemand, der in den Monitorraum kommt und sagt „Oh, es ist ein Junge!“.
Yann, unser erfahrener Taucher, meint 50m Wassertiefe ist machbar mit Standardtauchausrüstung. Mit großer Wahrscheinlichkeit befindet sich am Gipfel des Seamounts eine extrem interessante Umgebung, was die biologische Vielfalt betrifft, ähnlich wie bei Korallenriffen. Also, denken Sie daran bei der Planung der nächsten Tauchreise. 
 
Es ist allerdings zu beachten, dass die nächste Bar ca. 500km entfernt ist!
cheers
 
Heiner
 

 

Zum Vulkan

Written by Karin Sigloch on Montag, 11 November 2013. Posted in Cruise 2013

9. November 2013

Gruppenbild Leg 1. Seit unserer Abfahrt von Mauritius vor 19 Tagen haben wir 28 von 28 geplanten Ozeanbodenseismometern erfolgreich wieder eingeholt. Hier und da nahmen wir uns Zeit, etwas abseits des Weges zusätzliche Teile des Meeresbodens mit dem Fächerecholot vermessen. Dabei haben wir das zentrale Objekt unserer wissenschaftlichen Neugier, den “Hotspot” von La Réunion, von allen Seiten umkreist. Jetzt, am letzten Tag des ersten Fahrtabschnitts, fahren wir endlich direkt auf ihn zu. Die Meteor sollte die spektakuläre Vulkaninsel am frühen Morgen erreichen, und dort endet die erste Hälfte unserer Messfahrt.

Halos

Written by Alice Gabriel on Montag, 18 November 2013. Posted in Cruise 2013

Halos und unser Wetter für Alle

 

Beim Auslaufen aus Le Port, noch in den sanften Gewässern vor La Reunion, können wir einen farbenprächtigen Hof um die Sonne im ansonsten strahlend blauen Himmel bestaunen. Bei diesem Ring im 22 Grad Abstand zur niedrig stehenden Sonne, handelt es sich um den häufigsten der über 50 bekannten 'Halo' Effekte, welche durch Brechung des Sonnenlichtes an Eiskristallen, zum Beispiel in hohen Cirrus Wolken, entstehen.

Laut Seemannsregel kündigen Halos schlechtes Wetter an, was sich auch prompt in den nächsten Tagen bewahrheitet. Windböen, Regen, Donnergrollen und bis zu 3 Meter Dünung plus 2 Meter Windsee werden unsere Begleiter in Richtung Südwesten. Das Leid der Neuankömmlinge (und ihrer Magen) ist das Glück der Bordwetterwarte: eine interessante Wetterlage und kein 'langweiliges' Hoch! In den nächsten Tagen sehen wir Wetterballons bis in Höhen von über 20 km aufsteigen und Messdaten der Temperatur, Luftfeuchte und -druck mittels Radiosonde und Satellitenkommunikation direkt in das Datennetz des Deutschen Wetterdienstes einspeisen.
Damit werden nicht nur wir an Bord der Meteor über die uns bevorstehende Seegangs- und Wetterlage informiert sondern unsere Forschungsfahrt trägt auch zur globalen Wettererfassung, etwa für treibstoffsparende Flugroutenoptimierung, bei.

 

Blog des Kapitäns (2)

Written by Michael Schneider on Mittwoch, 20 November 2013. Posted in Cruise 2013

18./19. November, Michael Schneider, Kapitän der Meteor

 

Nach Station RR36: die Meteor hat "quasi auf dem Teller gedreht"

 

18.11.

Mittlerweile ist es Mitternacht, das OBS RR36 wurde ausgelöst und steigt wohl auf, letzten Aussagen zufolge soll es gegen 0030 Uhr auftauchen – mal schauen, wo es sich zeigt.

 

Das OBS ist stets für eine Überraschung gut, diesmal tauchte es in etwa zwei Kabel (ca. 370m) Entfernung und vier Strich ( = 45°) an Bb.-Seite auf. Ein kurzer Schlenker nach Backbord und dann wieder einer nach Steuerbord brachte uns an das OBS und es wurde ebenfalls, wie schon die anderen vier, als fünftes erfolgreich und unbeschädigt an Bord genommen. Für den Beginn des anschließenden Profils mit Multibeam und Magnetometer drehte METEOR über Steuerbord in knapp 4 Minuten in den neuen Kurs von 039° ein und beschrieb dabei einen fast perfekten Kreis mit einem Radius von 55m – bei einer Schiffslänge von knapp 100m also quasi „auf dem Teller gedreht.“

 

Den Tag über verbrachte man erneut mit Profilfahrt und am frühen Abend, noch vor dem Abendbrot, kam dann auch das OBS RR 37 an Bord. In 10-12 Stunden wird ein weiteres auftauchen und bitten weiter mitfahren zu dürfen.

 

19.11.

Heute morgen kurz vor 0800 Uhr tauchte das OBS RR 38 auf, hat mit dem Auftauchen etwas gewartet, wollte sich vielleicht noch hübsch machen, und wurde ebenso wie die anderen an Bord genommen. Das vom DWD beschrieben süße kleine Tief vor der Küste Südafrikas hat sich ein wenig entlang der Frontalzone nach Osten gemogelt und wird uns, da wir weiter nach Nordosten fahren, nicht mehr allzu sehr tangieren. Heute abend wird fleißig weiter eingesammelt und morgen nachmittag dann ein weiteres französisches OBS eingefangen – sie werden langsam aber sicher weniger, irgendwann kriegen wir sie alle, und das sogar ohne Danone Yoghurt :o).

Unter leichter Wetterbesserung und zunehmenden Sonnenstunden fährt METEOR weiter nach Nordosten der SONNE entgegen. Zum Wochenende besteht eine gute Chance, daß sich die Forschungsschiffe SONNE und METEOR zum ersten Mal in ihrem langen Schiffsleben begegnen könnten, „treffen“ sollte man vielleicht nicht sagen, das könnte ein böses „Entchen“ nehmen.

 

Der SONNE entgegen

"Die Sonne, die Sonne, von der Meteor"

Written by Karin Sigloch on Montag, 25 November 2013. Posted in Cruise 2013

24. November 2013, Karin Sigloch

 

Zufallsbegegnung auf hoher See: Forschungsschiff "Sonne" im Vordergrund, "Meteor" im Hintergrund

"Die Sonne, die Sonne, von der Meteor" -- mit diesen Worte rief unser Kapitän heute Morgen das Forschungsschiff "Sonne" am Horizont an. Es ist ein seltener Zufall, wenn sich zwei große Forschungsschiffe auf hoher See begegnen, und für die Sonne (seit 1977 im Dienst) und die Meteor (seit 1986) passierte es heute zum ersten Mal überhaupt. Es wird wohl auch das einzige Mal bleiben, da die "alte" Sonne Mitte 2014 ausgemustert wird, wenn ihre Nachfolgerin vom Stapel läuft.


So wollten wir sie unbedingt treffen, als wir vor etwa zehn Tagen erfuhren, dass die Sonne in unmittelbarer Nähe unserer Station RR51 und im richtigen Zeitfenster den Mittelindischen Rücken kartieren würde. Dem Fahrtleiter auf der Sonne, Ulrich Schwarz-Schampera von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, ging es genauso, und auch bei den Besatzungen beider Schiffe war die Erwartung und Vorfreude groß.

 

 Es war ein bewegender Moment, als die altehrwürdige Sonne gegen Mittag langsam vor unserem Bug kreuzte und sich neben die Meteor hinlegte. (Leider fehlt zu dem Foto der Originalton. Aus großen Lautsprechern schallten wir ihr Begrüßungslieder entgegen: "Wo meine Sonne scheint, und wo meine Sterne stehen" und "Die rote Sonne von Barbados", gefolgt von Sonne à la Rammstein und "Wenn ich nicht hier bin, bin ich auf'm Sonnendeck".)

 

In der Tat setzte bald danach ein reges Hin und Her von Schlauchbooten und Besuchern ein. Wir staunten, wie das 1969 als Fischtrawler gebaute Schiff auch auf seine alten Tage noch mit dem leistungsfähigsten Forschungsgerät ausgestattet ist. Gegen 17 Uhr fuhren wir dann weiter unseres Wegs, zufrieden mit diesem ganz besonderen Sonntag.

 

Alle Seismometer sind zurück!

Written by Karin Sigloch on Samstag, 30 November 2013.

29. November 2013

Heute Nachmittag bei strahlender Sonne, 200 km südöstlich von Mauritius, zogen wir Ozeanbodenseismometer RR56 aus dem Meer – nun ist auch das letzte OBS zurück. Sein Aufstieg wurde vielleicht von einem Wal begleitet, jedenfalls tauchte das große Tier gleich nach der OBS-Bergung unmittelbar neben dem Schiff auf. Es tauchte zweimal unter dem Rumpf hin und her (an Deck gefolgt von einer Herde aufgeregter Wissenschaftler) und verschwand dann im Blauen. Vielleicht ein Abschiedsgruß von Neptun, der unserem Experiment wohlgesonnen war.

 57 Seismometer ausgelegt, 57 wieder zurück ein Jahr später – große Erleichterung bei den Technikern und Wissenschaftlern. Die Bedingungen im Salzwasser sind schwierig, und die Technik hat leider auch Schwächen, so dass Verluste nicht unerwartet gekommen wären. Bei einem derartigen Experiment braucht man auf jeden Fall Glück, aber wenn 100% der Geräte zurückkehren, dann weiß man auch, dass man etwas richtig gemacht hat. Vielen Dank an unsere extrem professionellen OBS-Teams: Erik, Edith, Maria, Kasra und Juan für die deutschen Geräte, und Romuald und Xuan für die französischen OBS!