Lange Nacht am Mittelozeanischen Rücken

Written by Karin Sigloch on Dienstag, 16 Oktober 2012. Posted in Cruise 2012

16. Oktober 2012

Lange Nacht am Mittelozeanischen Rücken

Letzte Vorbereitungen für den intensivsten Abschnitt unserer Messfahrt: in etwa zwei Stunden kommen wir an einem besonderen, gut kartierten Segment des Südwestindischen Rückens an. Dort wollen im Laufe der Nacht und des Morgens 8 Ozeanboden-Seismometer und einen absoluten Druckmesser aussetzen, auf der (für uns) kleinen Fläche von 30 km x 60 km. Dieser OBS-Array ist ein Vorhaben unserer Kollegin Vera Schlindwein, die mit seismischen Methoden Struktur und Verhalten von mittelozeanischen Rücken untersucht, besonders solchen wie hier, die sich nur sehr langsam spreizen. Wir werden für die Daten aus diesem verdichteten Netzwerk auch noch viele andere Verwendungen haben, unter anderem zur Untersuchung des tiefen Mantels unter La Réunion.

Seit wir vor zwei Tagen den südlichsten Punkt unserer Reise bei 34°S erreicht haben, folgen wir dem Südwestindischen Rücken nach Nordwesten. Auf einem endlosen, platten Ozean erscheint es unwirklich, dass sich unter uns ein Teil der größten Bergkette des Planeten hinzieht, Teil der weltweit verbundenen mittelozeanischen Rücken. Das Schiffsbathymeter stellt die einzige sinnliche Verbindung zu dieser Wirklichkeit her. Zwar bildet es jeweils auch nur einen schmalen Ausschnitt der gewaltigen Berge ab, aber die Konsequenzen sind doch ziemlich real: bei den letzten OBS-Stationen hätte ein Versatz um wenige Kilometer jeweils auch einen Höhenunterschied von tausend Meter oder mehr bedeutet: werfen wir ins tiefste Tal ab, oder doch lieber auf den Rand des Abgrunds?

Für den kommenden OBS-Array wird es die Mitte des großen Grabens sein, plus ein Vulkan, der dazwischen aufragt (und damit immer noch 3000 m unter der Oberfläche bleibt). Nachdem wir an 40 OBS in einem relativ gemächlichen Tempo geübt haben, steigt die Erwartung auf eine schnelle und aktionsreiche Nacht, wo alles zusammenspielen muss und hoffentlich auch wird.

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Karin Sigloch

Karin Sigloch

Der deutsche Projektteil wird geleitet von Karin Sigloch, Department für Geo- und Umweltwissenschaften, Ludwig-Maximilians-Universität München. 

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